Zitate

Mir ward das Wort gegeben,
Daß ich´s gebrauche frei,
Und zeige, wieviel Leben
Drin eingeschlossen sei.

Ich will ihn mutig schwingen,

Den geistigen Donnerkeil,

Und kann er´s mir nicht bringen,

So bringt er anderen heil!“

 

Friedrich Hebbel

 

Ein Diamant im deutschem Wortwesen ist weislich Nietzsches "Also Sprach Zarathustra". Hier heißt es im Kapitel "Vom Geist der Schwere": "Das ist aber meine Lehre: wer einst fliegen lernen will, der muß erst stehen und gehn und laufen und klettern und tanzen lernen: - man erfliegt das Fliegen nicht!"

 

Nietzsche: "Logik - ihr Wesen nicht entdeckt (= Kunst der eindeutigen Bezeichnung?)"

 

Wittengenstein schreibt das: "Die Philosohie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache. Der Verstand verhext sich sozusagen selbst durch die Sprache und kämpft in der Sprache und mit der Sprache gegen diese Verhexung durch die Sprache." Im Buch Werner Schnerders - Deutsche Philosohen im 20. Jahrhundert -

 

Roberto Calasso – Ka – „Der einzige Weg, um die helle Welt zu erreichen, ist das Wort, Vác. Vác ist Sarasvatí, der Fluß, der fließt und hier in unserer Welt versandet und sich verliert. An dieser Stelle müssen wir aufbrechen, von diesem Sand unserer Welt aus müssen wir flußaufwärts gehen. Ein langwieriges, hartes Werk, das gegen den Lauf der Dinge geht, die nur abwärts zu fließen verstehen. Das Wort und diese Wasser sind unsere einzige Hilfe.“

 

Was die Meinung ist hat Roberto Calasso im Buch "Die neunundvierzig Stufen" klärt ~~~ Sehr tolles Buch ~~~ Der Buckcovertext lautet: Bei der Lektüre hat man den Eindruck, man sehe einem Archäologen von außerordentlicher Intuition dabei zu, wie er bis zu den Knien im ausgegrabenen Schutt unserer Bibliotheken steht und hier und da Stücke eines in alle Winde zerstreuten Eden aufhebt, auf deren unendliche Bedeutung und Funktionen er sein Publikum aufmerksam machen will."

Das Kapitel über die Meinung beginnt so: "Die Geschichte des Selbstverständlichen ist die dunkelste Geschichte. Nichts ist offenkundiger als die Meinung, ein Begriff, den die Meinung für harmlos erachtet und der mittlerweile gewaltige Bereiche des Sagbaren in sich schließt: Die ausgedehnten Weiden der Meinung sind ein Vorzug, dessen sich die Zivilisation rühmt. Dennoch ist sie zu fürchten und hat an verwickelten, hohnsprechenden Ereignissen mitgewirkt, bis sie in der gegenwart ihren Triuph errang. Einst pflegten die Philosophen von der Evidenz auszugehen, doch die hat sich inzwischen zu den Einhörnern geflüchtet. Übrig bleibt die Meinung: Als Herrscherin über alle politischen Systeme, die sich, ohne klare Umrisse anzunehmen, überall und zugleich nirgends befindet, ist sie im solchem Übermaß anwesend, das nur noch eine negative Theologie zulässig ist. Nachdem Gott die Herrschaft verloren und das Vikariat der Metaphysik abgewirtschaftet hat, steht die Meinung als letzter Grundstein unverhüllt da, um Mengen von Würmern, ein paar Leguane und wenige alte Schlangen zu bedecken. Woran ist sie zu erkennen? Oder vielmehr, woran kann man erkennen, was nicht zur Meinung gehört? Es gibt keine Landkarte der Meinungen, es kann sie auch nie geben, und von Nutzen wäre sie ohnehin nicht. Denn die Meinung ist vor allem eine formale Macht, ein virtuoses Können, das sich grenzenlos steigert und jeden Stoff angreift. Der Spott der Meinung liegt darin, das sie jeden Sinn annimmt und es somit verhindert, an den aufgestellten Thesen erkannt zu werden. Wahllos verschlingt die Meinung den Gedanken und stellt ihn, nach dem sie nur ein paar geringfügige Veränderungen angebracht hat, in ganz ähnlicher Formulierung wieder her."....  

 

Ferdinand Ebner im Buch - Das Wort und die geistgen Realitäten - ~ "Die Offenbarung des Verborgenen und des Geheimnisses aber ist im Wort. Die Sünde wird im Worte offenbar und wenn es der Mensch in diesem Leben in der Verschlosseneit seines Gemüts "in der Zeit" verhindert , dann am Tage des Gerichts in alle Ewigkeit , aber auch die göttliche Liebe und Gnade, die die Sünde von uns nimmt. Im Menschen selbst und durch ihn fällt die Entscheidung, ob für ihn das Wort Richter oder Erlöser ist."

 

Christan Morgenstern alphabeedthedth im Buch Stufen~ "Es gibt gar keine Worte, die bloß Worte wären. Sondern jedes Wort ist von vornherein ein höchst individuelles Urteil. Man glaubt a sei gleich a. Eine vollkommene Ungeheuerlichkeit." ebenda "Welch ein Unterfangen, sich hinter den Worten verstecken zu wollen! Man ist ja diese Worte selbst."

 

Peter Høeg – Fräulein Smillas Gespür für den Schnee rororo S.273

Ich wollte die demütigenden, aufreibenden, immer gleichen Gefühlsdramen begreifen, mit denen europäische Kinder und ihre Eltern in wechselseitigen Hass und gegenseitiger Abhängigkeit miteinander verbunden sind. Insgeheim weiß ich, daß das Begreifen wollen zur Blindheit führt, das der Wunsch nach verstehen eine eingebaute Brutalität verbirgt, die verwischt wonach das Verständnis greift. Nur das Erlebnis ist empfindsam.“

 

 

„Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“, sagt der Mythos in den alten Schriften. „Am Anfang war der Knall“, sagt die Wissenschaft in den neuen Schriften. Wer von beiden muss wohl enttäuscht werden?

Schließt man die Augen und lässt sich einmal ganz unwissenschaftlich das deutsche Wort „Wort“ köstlich auf der Zunge zergehen, so schmeckt man in diesem möglicherweise noch andere Sinnbegriffe heraus, wie beispielsweise „Ort“, oder aus diesem wiederum „Erd“, oder gar „Ordnung“? Bei noch gründlicherem Schmecken offenbart sich vielleicht auch der Sinn von „Werden“ oder von „Geworden“?

All diese Begriffe tragen untrüglich die Sinnhaftigkeit einer manifestierenden Kraft in sich, eines geist-magisch schöpferischen Wesens, das bis in die Welt der Festkörper hinein zu erschaffen vermag. Wir können hier also einer feinen, machtvollen Energielinie folgen, die aus den Tiefen des Allgöttlichen separierend entspringt, und sich schließlich in den dualen Ordnungen des Zeitlichen niederlässt, wozu wir „Leben“ sagen.

Auch das deutsche Wort „Sprache“ hat es in sich. Die Lautfolge „spr“ bedeutet so viel wie „durch Lostrennung schaffen“ (von lat. „separare“ = trennen), und der Laut „cha“ trug ursprünglich den Sinn von „Kraft als Trägerin einer geistigen Idee“.

Sprache vermag also unter Verwendung von Worten durch einen geist-magisch schöpferischen Prozess zu erschaffen, vermag aus dem namenlosen Allgöttlichen Namen und Begriffe zu schöpfen, die in der Folge dem Menschen sein „Begreifen“ und seine „Ordnung“, oder aber sein „Nicht-Begreifen“ und seine „Unordnung“, in seiner Lebenswelt ermöglichen. An dieser Stelle wird deutlich, welche Verantwortung jeder Einzelne von uns trägt, bezüglich dessen, was er denkt oder spricht: Jeder wird dadurch zum Erschaffenden seiner eigenen Welt.

Die alte Weisheit, dass die Sprache dem Angesprochenen gehört und nicht dem Sprechenden, unterstreicht noch einmal mehr die Bedeutung und den achtsamen Umgang mit Worten. Wenn Worte unachtsam gewählt werden, ihr Sinn nicht begriffen oder ihre Form verstümmelt, verfälscht oder zerstört wird, werden wir durch ihren Gebrauch unweigerlich Sinnloses, Unwahres und auch Zerstörerisches ansprechen und in unsere Welt rufen.

Im Yoga weiß man seit alters her von dieser Kraft und hat deshalb Schutz- und Heilworte entwickelt, die die Grundlage des Mantra-Yoga bilden. Durch stilles, lautes oder singendes Sprechen rufen wir die den Worten zugrundeliegenden Kräfte in unser Leben und können dadurch Schutz und Heilung erfahren. Indem wir dies erfahren, kann im Prinzip jedes Wort unserer Sprache zu einem Mantra werden, wenn es von Achtsamkeit und Bewusstsein durchdrungen ist. Liegt ein solches Wort einmal schmelzend auf unserer Zunge, so kann man – ja muss man sogar – die überaus schätzenswerte Arbeit der unzähligen Philologen und Etymologen – hinter sich lassen. Im Einspeicheln, Auflösen und Zurückverfolgen eines Wortes bis zu seinem Ursprung sind allein unser Empfinden und unsere freudige Lust an der Rückverbindung zur allgöttlichen Quelle gefragt.

Dies ist der erotische Augenblick, in dem Sprache, Küssen, Zeugen und Empfängnis eins werden. Sowohl „Sprache“ als auch „Zunge“ heißen im Lateinischen „lingua“. In der vedischen Anschauung Indiens existiert das hierzu verwandte Wort „linga“ – das Sinnbild des Zeugungsprinzips in der Natur. Linga wird in Indien oft als Phallus oder Säule dargestellt, als „Shivalinga“, die erotische Zeugungskraft des Göttlichen – ein Ursymbol göttlicher, schöpferischer Kraft. Somit trägt das Sprachorgan Zunge die Gestalt der phallischen Zeugungskraft. Das Wortgezeugte wird empfangen von „Yoni“, dem göttlichen Schoß, der Vulva, dem Raum, in der Gestalt der Mundhöhle und insbesondere des Gaumens. (Das deutsche Wort „Gaumen“ hat übrigens eine Verbindung zum altgriechischen Wort „chaos“ = leerer Raum, Unordnung.) Dort, im sprachbildenden Spiel von Zunge und Gaumen, wird mit jedem Wort, mit jeder Berührung, mit jedem Klang aus der Leere, dem Namenlosen, dem Ungeordneten ein neues Universum gezeugt und eine neue Ordnung, eine neue Welt empfangen und erschaffen. Dies kann eine schöne oder eine hässliche Welt sein, eine helle oder dunkle, eine Welt voller Achtsamkeit, Liebe und Stille, oder eine Welt voller Brutalität, wo es so richtig knallt. Aber erinnern wir uns: Die Sprache gehört dem Angesprochenen, und das Angesprochene kommt zu uns, wenn wir es wahrhaftig anzurufen vermögen.

 

 

 

 

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